Die "Berliner Tafel" zu Gast in Weißensee

Berliner Tafel
Berliner Tafel

Deutschlands größte soziale Bewegung

 

Laut Stern sind sie heute die größte soziale Bewegung unseres Landes. Die Tafeln, die in allen größeren deutschen Städten bedürftige Menschen versorgen. Sabine Werth, die Vorsitzende der Berliner Tafel, war gerngesehener Gast der SPD-Abteilung Weißensee-City und berichtete in einem lebendigen Beitrag über die Arbeit.

 

1993 begann es nach amerikanischem Vorbild in Berlin, heute ist die Berliner Tafel Vorbild für rund 400 Tafeln in ganz Deutschland, davon etwa 30 in Berlin und Brandenburg. Das Prinzip der Tafel ist einfach: Einwandfreie Lebensmittel werden bei Spendern abgeholt und an bedürftige Personen und gemeinnützige Einrichtungen weiterverteilt. Die Menge der Lebensmittel, die ohne das Engagement der Berliner Tafel weggeworfen werden müsste, ist gigantisch. In schlechten Monaten verteilt die Tafel etwa 150 000 Kilogramm Lebensmitteln, in guten Monaten geht es bis zu einer halben Million Kilo. Heute unterstützen rund 90 feste Spender die Tafel, darunter Bäckereien, Supermärkte aber auch Firmen, die übrig gebliebene Lebensmittel aus ihren Kantinen spenden. Darüber hinaus erhalten die Tafeln in Deutschland auch gespendete Fahrzeuge aus der Automobilindustrie und die Wirtschaftsberatung McKinsey entwickelte kostenlos ein Handbuch zur Gründung von Tafeln.

 

Über zweihundert Ehrenamtliche sowie fünf feste Mitarbeiter unterstützen die Berliner Tafel regelmäßig. Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten und allen Altersgruppen unterstützen die Tafel. Mit einem Anteil von 40 bis 45 Prozent sind Männer dabei vertreten, stärker als in den meisten anderen Bereichen gesellschaftlichen Engagements. Dank der Tafeln werden in Deutschland täglich bis zu 200 000 Menschen mit Lebensmitteln versorgt, in Berlin sind es 15 000 Menschen täglich.

 

Die Berliner Tafel beliefert täglich bis zu 370 soziale Einrichtungen mit Lebensmitteln. Diese müssen kostenlos an Bedürftige abgegeben werden, werden die Zutaten aber verarbeitet, darf ein kleiner Betrag verlangt werden. Ein besonders ehrgeiziges Projekt hat die Berliner Tafel mit ihrem Kinderrestaurant in Kreuzberg gestartet. Für einen Euro erhalten Kinder zwischen 6 und 16 Jahren hier ein warmes Mittagessen, dabei wird auch vegetarische und Laktose-freie Kost angeboten und die Köchin achtet sehr auf gesunde Ernährung. Ehrenamtliche Helferinnen verkaufen zudem an Schulen in Problemstadtteilen für 20 Cent Frühstückbeutel mit zwei Broten, Obst und einem Getränk. Dies ist wichtig, damit Kinder wenigstens ab und an ein Frühstück erhalten und auch auf die eigenen Eltern einwirken können, regelmäßig ein Frühstücksbrot mit zur Schule zu bekommen. Eine Bedürftigkeit wird bei den Kindern nicht geprüft, schon um Stigmatisierungen zu vermeiden. Bei den sozialen Einrichtungen, die beliefert werden, wird aber auf die Bedürftigkeit geachtet.

 

Offen und ehrlich berichtete Tafelmitbegründerin und Vereinsvorsitzende Sabine Werth über die Aktivitäten der Berliner Tafel und sparte auch Probleme nicht aus. So wies Frau Werth auch darauf hin, dass viele der Ehrenamtlichen selbst bedürftig sind oder zur Mitarbeit bei der Tafel kamen, weil sie selbst einmal profitiert haben. Manche Diskussion gab es deshalb auch um Eigenbedarf. Fluktuation bei den vielen Helfern gäbe es aber praktisch nicht: ?Wer bei der Berliner Tafel aufhört, verzieht oder verstirbt. Wer aber einmal mitgemacht hat, bleibt eigentlich immer dabei?, erklärte Sabine Werth den staunenden SPD-Mitgliedern, von denen nicht wenige sich nun selbst engagieren wollen. ?Etwa 600 Mitglieder unterstützen den Verein. Das ist schon ab einem Monatsbeitrag von 2,75 Euro möglich.?

 

Auf staatliche Mittel verzichtet man bei der Berliner Tafel dagegen ganz bewusst. Sabine Werth vermutet, dass Gelder, die der Tafel zur Verfügung gestellt würden, den Einrichtungen, die man beliefert unmittelbar wieder abziehen würde. Deshalb wird sich die Tafel auch in Zukunft ganz und gar auf das Engagement von Menschen und Firmen verlassen, damit man bleibt, was man ist: Deutschlands größte soziale Bewegung.

 

Mehr Informationen und Mitglied werden unter www.berliner-tafel.de!

 

Dennis Buchner

 

 

Zusammenstellung:

Dennis Buchner